< zurück zum Archiv 13. September - 22. Oktober 2005:

Tracking suburbia
Ausstellung im Swiss Institute - Contemporary Art, New York



Nicht nur in der Schweiz leben Menschen weder in der Stadt noch auf dem Land, sondern irgendwo dazwischen, in Vororten oder in Gemeinden, die auf der grünen Wiese errichtet werden und früher oder später mit einer Stadt zusammenwachsen.

Der amerikanische Photograph Bill Owens (1938 geboren) begann 1967, als er bei der kalifornischen Lokalzeitung Livermore Independent eine Anstellung fand, dort Leute vor ihren und in ihren erst kürzlich errichteten Reiheneinfamilienhäusern zu photographieren. Er photographierte sie oft an typischen Feiertagen wie Weihnachten, dem 4. Juli und bei einer Geburtstagsparty. Publiziert wurden die Bilder 1972 im Buch Suburbia, das später sehr bekannt wurde und noch drei Auflagen erlebte. Owens war es offenbar gelungen, den Nerv des American way of life an einer bestimmten Stelle zu treffen. Inzwischen sind seine Photos zu klassischen Bildern des amerikanischen Traumes vom Leben im eigenen Haus in den Vororten geworden.

Auch einige Schweizer, haben sich mit solchen Vororten auseinandergesetzt und waren oder sind diesem meist anonymen Wohn- und Arbeitsgebiet zwischen Stadt und Land auf der Spur.

In den frühen siebziger Jahren hat Urs Lüthi (geboren 1947) Photos von Einfamilienhäusern und Appartementgebäuden mit eigenen Selbstporträts kombiniert, die ihn als äusserlich glänzend aufgemachten Star und Transvestiten zeigen. Selbst Stars sind ja irgendwo im Nirgendwo zuhause. Auch Lüthi war wie Owens das interaktive Element, die Beziehung der Person zu 'ihrem' Haus wichtig. Fischli und Weiss hingegen, wie Schnyder und Rebetez, sollten die Häuser und Orte menschenleer festhalten.

Das bekannte Künstlerpaar Peter Fischli (geboren 1952) und David Weiss (geboren 1946), recherchierte, mit Auto und Kamera unterwegs, in Vororten von Schweizer Städten. Sie brachten 1992 die Photoserie Siedlungen, Agglomeration heraus, die den oder irgendeinen Wohnblock, das oder irgendein Einkaufszentrum und anderes mehr liebevoll, präzise und mit Humor ins Visier nimmt.

Der Maler Jean-Frédéric Schnyder (geboren 1945), durch halb naiv, halb konzeptuell daher kommende Serien bekannt geworden (Bilderfolgen zur Schweizer Autobahn, zu Wartesälen in Bahnhöfen u.a.), griff auf das einst erlernte Medium Photographie zurück, als er 1999/2000 jedes Haus an der Strasse, die von Zug nach Baar führt, ablichtete und mit Hilfe des Computers zu einem über vierzehn Meter langen und nahtlosen Bilderstreifen und C-Print zusammenfügte. Ein bekanntes Pendant zu dieser Arbeit stammt vom Amerikaner Ed Ruscha, das Leporello Every Building on the Sunset Strip von 1966.

Der jüngste Schweizer Künstler, der hier einbezogen wird, ist der in Brüssel lebende Jurassier Boris Rebetez (geboren 1970). Er formte 1992 eine kleine Serie Teller, die im Milieu, bzw. dem sogenannten Tellerspiegel nicht ein bekanntes Sujet zeigen, was solche Teller zu begehrten Souvenirs machen würde. Es sind einmal mehr jene anonymen Bauten, wie sie in jedem Vorort irgendeiner Stadt vorkommen.


Kontakt für diese Ausstellung:
Paul Tanner (> e-mail)


Seite aktualisiert 9.9.2005_ab