< zurück zum Archiv 1. September - 15. Oktober 2004:

Raymond Pettibon
Winged Heart und andere Drucke




Raymond Pettibon
Winged Heart
Lithographie, handkoloriert
1998
Graphische Sammlung der ETH Zürich


Raymond Pettibon
Illegal Procedure
Lithographie, handkoloriert
2000
Graphische Sammlung der ETH Zürich

Der 1957 in Tucson (Arizona) geborene Raymond Pettibon lebt in Hermosa Beach (Kalifornien). Er studierte zunächst an der University of California (UCLA) in Los Angeles, ehe er seine Karriere als Künstler begann. Mit eigenhändig photokopierten Heften, die er auch selber vertrieb, trat er zunächst hervor. International schaffte er den Durchbruch in den späten achtziger Jahren mit sozial kritischen Zeichnungen, in denen er sich - damals wie heute - schonungslos mit der zeitgenössischen Kultur auseinandersetzt. Eines seiner ersten Themen war die Kritik der Subkultur der 60er Jahre und deren letztlich fehlgeschlagenen Auflehnung gegen die Autorität ihrer Väter. Seine Bilder und die Art, wie er Themen aufgreift, haben nichts an Aktualität eingebüsst: Das zeigte sich wiederum an der documenta 2002, wo er eine, den ganzen Raum einnehmende, Collage zum 11. September 2001 schuf. Dabei gelang ihm mit dieser stillen und bescheidenen Arbeit, das einfache Freund-Feind-Schema zu durchbrechen und den amerikanischen Mythos der Unantastbarkeit als psychologischen Selbstschutz zu entlarven.

Pettibons Zeichnungen und Drucke unterscheiden sich grundsätzlich von der Konzeptkunst der siebziger Jahre. Er kombiniert Bild und Text nicht in intellektueller und philosophischer Absicht, sondern mehr in einer poetisch und dunkel lyrischen Analogie. Die Art wie er Text einsetzt, kann man am ehesten mit jener von Jenny Holzer und von Barbara Kruger vergleichen. Auch bei ihnen liest sich der Text wie eine fragmentarische Erzählung, der oft abrupt und ohne eigentliches Ende aufhört.

Sein Zeichnungsstil, jenem von Comics Zeichnern und Cartoonisten vergleichbar, fällt durch eine Sprache von grosser visueller und kommunikativer Kraft auf. Einzelne Gestalten kommen immer wieder vor: der Baseballspieler, der Surfer und verschiedene aus amerikanischen Comics bekannte Figuren. Sie agieren in einer Welt voll dunkler Satire und metaphysischer Träumereien über die Kunst und das Leben.

Seit einigen Jahren trägt die Graphische Sammlung der ETH das druckgraphische Werk von Raymond Pettibon zusammen, das bereits recht umfangreich und im Unterschied zu den Zeichnungen noch wenig bekannt ist. Die Ausstellung gibt eine erste Bilanz der gesammelten Lithographien, Radierungen und Siebdrucke.

Vernissage: Dienstag, 31. August 2004, um 18.00 Uhr


Kontakt für diese Ausstellung:
Paul Tanner (> e-mail)



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