< zurück zum Archiv 10. November - 21. Dezember 2004:

Gusto e passione
Italienische Zeichnungen aus der Sammlung Gadola




Giulio Pippi, gen. Giulio Romano
Löwe, eine Kugel mit den Pranken haltend
Feder in Braun, braun laviert über schwarzer Kreide
Sammlung Gadola


Paolo Farinati
Allegorie der Liebe: Amor flankiert von Friede und Eintracht mit zwei Putti
Feder in Braun, braun laviert, auf blauem Papier
Sammlung Gadola

Aussergewöhnlich ist die Ausstellung Gusto e Passione in verschiedener Hinsicht. In den letzten Jahren kam es selten vor, dass die Graphische Sammlung der ETH eine Ausstellung mit Werken ausschliesslich aus Privatbesitz zeigte. Aussergewöhnlich ist weiter, dass heute ein noch junger Sammler sich auf das Zusammentragen von Zeichnungen Alter Meister konzentriert. Und aussergewöhnlich ist schliesslich das Sammlungsprinzip, pro Künstler nur eine Zeichnung zu erwerben.

Wenn wie hier eine Sammlung von italienischen Handzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts für einige Wochen ihren Platz an den Wänden des stillen Heims mit denjenigen eines Museums vertauscht, so stellt sie sich erstmals dem Urteil einer breiten Öffentlichkeit. So fragil, lichtempfindlich und kostbar der Charakter dieser Blätter ist, so persönlich sind die Gesichtspunkte, nach denen sie zusammengetragen wurden: Jede private Zeichnungssammlung spiegelt die Summe subjektiv getroffener Entscheidungen, den Geschmack, die Leidenschaft aber auch die Momente glücklicher Funde, die mehr als alles andere steter Antrieb für die nie abgeschlossene Suche des Sammelnden nach Ergänzung und Vervollständigung darstellen. Eine solche Sammlung ist aber zugleich auch Bekenntnis zu einem vordergründig unspektakulären Sammlungsgebiet, dessen Reichtum und Schönheit sich erst demjenigen erschliesst, der sich auf den diskreten Charme und auf den Dialog mit den vermeintlich unscheinbaren Gebilden aus Linien und getönten Flächen einlässt.

Neben klingenden Namen wie Giulio Romano, Luca Cambiaso, Annibale Carracci, Giambattista Tiepolo und Francesco Guardi finden sich in der Kollektion zahlreiche weniger bekannte aber nicht minder eindrucksvolle Werke. Nicht wenige unter ihnen sind als bedeutende Neuentdeckungen zu bezeichnen. Ihren Reiz verdanken sie in erster Linie dem spontanen, lebendigen Ausdruck, einer ersten, inspirierenden Idee eines Künstlers oder erweisen sich bei näherer Betrachtung als bereits gereifte künstlerische Lösung, die als Vorstufe für ein Gemälde dienen konnte. Sie bieten die seltene Möglichkeit, den künstlerischen Schaffensprozess unmittelbar, dem Künstler gleichsam über die Schulter blickend, zu verfolgen.

Vernissage: Dienstag, 9. November 2004, 18.00 Uhr


Kontakt für diese Ausstellung:
Michael Matile (> e-mail)
Die Ausstellung wird von einem wissenschaftlichen Katalog begleitet:
Gusto e passione. Italienische Handzeichnungen aus der Sammlung Gadola
Bearbeitet von
Michael Matile
Basel: Schwabe AG, 2004
ISBN 3-7965-2103-7



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